a|e galerie Potsdam
Angelika Euchner

+49(0) 178 6028210
aeuchner(at)mail.de
„Rückzugsorte -Resilienz“

Vernissage 19. September 19 Uhr

Ausstellung: 20. September bis 30. Oktober 2025

Fotografie | Cyanotypie | Camera obscura

Hans Jörg Rafalski | Uwe Paul Schulze | Micha Winkler

Drei Fotografen aus Brandenburg entziehen sich dem Ungemach der Welt. Sie entdecken besondere Rückzugsorte, sind den Relikten ehemaliger Industriekultur auf der Spur. Oder fotografieren fast menschenleere europäische Städte. Uwe Paul Schulze nimmt die Tuchmacherstadt Forst ins Visier, das einstige „deutsche Manchester“ in der Lausitz. Nach 1989 kam es zum fast vollständigen Erliegen der Textilproduktion. Heute prägt eine eigentümliche Stille die Stadt und die Fabriken sind dem Verfall ausgesetzt. Brückenpfeiler und -köpfe sind weitere Motive des Fotografen. Außer einer Eisenbahnverbindung gibt es keine Brücken über die Neiße ins benachbarte Polen. Das Cyanotypie-Verfahren hat Schulze gewählt, um durch die Blau-tönung seiner Bilder das Vergängliche einprägsam zu vermitteln. Hans Jörg Rafalski stromert seit Jahrzehnten entlang am Finowkanal und erliegt seiner verwunschenen Umgebung. Frühmorgens ist er unterwegs mit Langzeit im Gepäck. Er fängt das nebelige Licht ein, Schleusen und Brücken verlieren ihre Konturen. Ein ruinöses Messsingwerk verwittert vor sich hin. Rückzugsort hier und dort. Dort verweist auf Italien. Rafalski ist bei Nacht in Venedig unterwegs, malt mit Lichtreflexen, die Häuser, Fassaden und die Rialto-Brücke aufzulösen scheinen. Schwerelos wirken sie. 2021 hat er den Brandenburgischen Kunstpreis für Fotografie in Neuhardenberg erhalten. Ein Jahr später 2022 erhält ihn Micha Winkler für seine Camera obscura Bilder. Bei ihm steht die Welt buchstäblich Kopf und ist seitenverkehrt abgebildet in seinen selbst gebauten Lochkameras. „Man kann in einer Bildwelt mehrere Bilder erzählen, wie ein kleiner Film. Weil da durch die lange Belichtung Zeit drinsteckt…“ schreibt Christina Tilmann im Katalog „Kunstpreis Neuhardenberg“ 2022. Micha Winkler bevorzugt fast menschenleere Städte und Strände. Selten sieht man die europäischen Metropolen so faszinierend rein abgelichtet wie bei ihm. Für die Ausstellung haben wir den Palast der Republik ausgewählt vor seinem endgültigen Abriss. Die Rückzugsorte der Fotografen dienen ihnen als Auszeit. Können sie hier ihre Resilienz (das Modewort der Gegenwart) wiederfinden? Resilire bedeutet zurückspringen, abprallen, nicht anhaften. Das Ungemach der Welt also abprallen lassen und Widerstandskräfte entwickeln. Beim Fotografieren kann man regenerieren, Gelassenheit, Geduld erfahren in der verwittert-verwunschenen Industriekultur von einst. Gegenpol zur allgegenwärtigen Geschwindigkeitshysterie. Der „Veränderungsmüdigkeit“ (Steffen Mau), der Verunsicherung und Verlustangst auf seinen fotografischen Streifzügen entkommen. Schöpfungskraft statt Erschöpfung. Auch das Fotolabor wird zum Refugium. Hier wird mit alten Techniken experimentiert, die Camera obscura Bilder sorgfältig entwickelt, Cyanotypie-Verfahren vorbereitet. Konzentration auf die reduzierte Bildauswahl. Rückzugsorte – Refugium – Resilienz der drei Fotografen ermöglichen uns, in ihre Welt einzutauchen. Angesagt ist Zuversicht gegen die Ohnmacht und Entmutigung. Der Philosoph Jonathan Leer spricht von „radikaler Hoffnung“ in diesen Zeiten nicht enden wollender Krisen. Weltvergessenheit statt Weltversessenheit tut jedem gut. Diese Ausstellung ist ein Angebot in diese ruhige Welt einzutauchen.

Angelika Euchner

Ausstellungsdauer: 20. September bis 30. Oktober Öffnungszeiten: Mi bis Fr 15 – 19 Uhr und Sa 12 – 16 Uhr u.n.V. Geschlossen: 3. und 4. Oktober


Uwe Paul Schulze „Neues Bild an alter Wand“ Foto von 2024
Cyanotypie von 2025

Zu den Fotografen
Uwe Paul Schulze geb. 1960 Potsdam
Eintrag auf der website des bbk-brandenburg.de
Hans Jörg Rafalski geb. 1965 Eberswalde
www.papierwerken.com und www.literaturport.de
Micha Winkler geb. 1958 Berlin – 2022 gestorben

Hans Jörg Rafalski: „Die Wirtschaft fordert immer mehr, wir Menschen sehnen uns dagegen immer mehr nur noch nach einer Rast, vielleicht nach Stillstand, nach Ruhe. Wir wissen doch gar nicht, ob es Menschen möglich ist, dauerhaft in instabilen Zuständen zu leben, jedenfalls rührt dieses Gefühl kollektiven Unbehagens aus der nun wachsenden Destabilisierung unseres Lebens, diesem Gefühl, losgelöst in offenen Räumen zu treiben. 2024


Hans Jörg Rafalski „Teufelsbrücke bei Niederfinow“


professional preview 2 pm – 6 pm only with VIP tickets
opening hours 6 pm – 9 pm


VIP hours 12 – 2 pm only with VIP tickets
opening hours 2 pm – 8 pm